NEUES AUS DER WALDENBURGER GALERIE

16.08.2018
12:36
 
117 days

L’art pour l’art bis 30. Oktober

9 Künstlerinnen des 20. und 21. Jahrhunderts


 

Künstlerinnen:
Ines Bruhn, Inge Thiess-Böttner, Marie-Luise Heller, Franziska Klotz, Mechthild Mannewitz, Karin Pietschmann, Christine Prinz, Priscilla Ann Siebert, Doris Ziegler


Ausstellungsdauer:

ab 16. August

VERLÄNGERT bis 30. Oktober 2018

 

Öffnungszeiten:
Di–Fr 12:00–16:00 Uhr
Sa und So 13:00–17:00 Uhr
und nach Vereinbarung

 

 

Die Ausstellung der Galerie von Waldenburg stellt neun Persönlichkeiten in den Fokus, die viele Besonderheiten eint: Es sind Künstlerinnen, die in aller Konsequenz, den eigenen künstlerischen Weg bestreiten. Sie eint die Sinnlichkeit und Intelligenz, Themen zu entwickeln, Strömungen zu folgen, sie eint ihre Beharrlichkeit, trotz gesellschaftlicher Widersprüche nachhaltig in der Kunst zu wirken. Und sie eint ein weites Spektrum künstlerischer Ausdrucksmittel: Von konstruktivistischen Pastellen der Inge Thiess-Böttner, grotesk-surrealen Stillleben von Priscilla Ann Siebert, pittoresk-metaphysischen Landschaften von Doris Ziegler, konkreten Plexiglasobjekten von Marie-Luise Heller, Malereien von Mechthild Mannewitz, abstrakten Papierarbeiten von Ines Bruhn, übermalten Fotografien von Christine Prinz, bis hin zu konstruktiven Grafiken von Karin Pietschmann sowie malerischen Porträts und Stillleben von Franziska Klotz.

Kunst von Frauen, das ist sowohl ein erfolgreiches, wie auch widerspruchsvolles Feld der Kunstgeschichte und Gegenwartskunst. Denn Frauen hatten und haben es in dem ohnehin schwierigen Berufsbild immer noch ein bisschen schwieriger, sich als professionelle Künstlerinnen in einer vorurteilsbeladenen Gesellschaft und in Sammlerkreisen zu behaupten. Dennoch gelingt es einer großen Zahl an Künstlerinnen, sich trotzdem zu beweisen, zu schaffen und zu wirken. Auch wenn mit der Weimarer Verfassung 1919 die Gleichstellung von Mann und Frau rechtskräftig eine gesellschaftliche Selbstverständlichkeit geworden ist. Es war Frauen erst ab diesen Zeitpunkt überhaupt möglich geworden, sich nicht nur an Hochschulen, sondern auch endlich an den Kunstakademien einzuschreiben. Vorher hatten sie nur wenige Möglichkeiten, eine Ausbildung als Künstlerin zu absolvieren und professionell zu arbeiten. Dennoch haben Künstlerinnen seit jeher die Kunstgeschichte geprägt. Schon Plinius d. Ä. rühmte im 35. Buch seiner Enzyklopädie mehrere Malerinnen der römischen und griechischen Antike, die berühmte Werke geschaffen hatten. Auch in mittelalterlichen Klöstern arbeiteten Künstlerinnen an Buchillustrationen, Malereien und Plastiken. Durch die Emanzipation des Berufsbilds des schöpferischen und freien Künstlers in der Renaissance und die Herausbildung der Akademien traten in Italien zum ersten Mal eine größere Zahl Berufskünstlerinnen auf den Plan. Das humanistische Bildungsideal, das selbstverständlich auch für Frauen galt, verbreitete sich von dort aus auch in den Niederlanden und später in ganz Europa.

Die sich im 19. Jahrhundert herausbildenden Kunstvereine und Kunstschulen, die Entwicklung von Reformbewegungen und einer ganzheitlichen Pädagogik festigten das Berufsbild weiblicher Künstler nachhaltig. In England und Frankreich gab es eine große Zahl an studierten, professionellen Künstlerinnen. Im biedermeierlichen Deutschland dagegen hatten selbst die begabtesten Talente große Hemmnisse zu überwinden. Dennoch bildete sich in Berlin 1867 der Verein der Berliner Künstlerinnen, der Ausstellungen mit Käthe Kollwitz, Paula Modersohn-Becker und Hannah Höch ausrichtete und bis heute aktiv ist.

Trotz allem scheinen anachronistische Haltungen, Kunst von Frauen zu ignorieren, auch in unserer Gegenwart noch spürbar, auch wenn sich im Jahr 2018 immer mehr Frauen als Führungskräfte beweisen – auch in musealen Institutionen. In den Ausstellungsprogrammen ist Kunst von Frauen weiterhin unterrepräsentiert und das heißt auch am Kunstmarkt und in öffentlichen und privaten Sammlungen. Statistiken dazu erzählen keine Erfolgsgeschichte bei der Bewertung und Betrachtung von Kunstwerken jenseits der Geschlechterfrage.

Die Galerie von Waldenburg will mit ihrer Ausstellung in vier Räumen den Fokus auf Künstlerinnen richten, die sowohl wichtige künstlerische Positionen einnehmen als auch neu entdeckt werden wollen. Nicht unbedingt, weil es Frauen sind, die diese Werke schufen, sondern weil ihre Werke wirken als Kunst um der Kunst willen – L’art pour l’art!